PUBLIZIERT: 20.8.2026 Lesezeit: 9 Min.


Das Křtinské-Tal (Křtinské údolí) schließt unmittelbar an das Josefovské-Tal an und zieht sich von der Siedlung Josefov bis nach Křtiny — geografisch handelt es sich um ein einziges Tal, der Name wurde jedoch historisch in zwei Abschnitte aufgeteilt. Durch das Tal fließt der Bach Křtinský potok, der bei Výpustek unter der Erde verschwindet und den restlichen Talabschnitt nur bei höherem Wasserstand durchströmt. Hier verbirgt sich das zweitlängste Höhlensystem Tschechiens (Rudické propadání–Býčí skála, rund 13 km Gänge) sowie mehr als 190 heute bekannte Höhleneingänge. Das Tal war seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Liechtensteiner, die daraus einen Kulturpark machen wollten — und schon im frühen Mittelalter befand sich hier eines der größten Hüttenzentren der alten Slawen.

SCHNELLLINKS 📜 Das am frühesten beschriebene Tal der Region · 🕳️ Rudické propadání und Býčí skála · ⚒️ 1.200 Jahre altes Eisen · 🏰 Liechtensteiner vs. Salm · ❓ FAQ


Während der benachbarte Pustý žleb Besuchermassen zur Punkva-Höhle (Punkevní jeskyně) lockt, ist das Křtinské-Tal ein ganz anderer Ort — ruhiger, weniger kommerziell, aber historisch der reichste Teil der ganzen Region. Es ist das einzige Tal des Mährischen Karsts mit einer ununterbrochenen Geschichte menschlicher Tätigkeit vom frühen Mittelalter bis heute.

Das am frühesten beschriebene Tal der Region

Die erste Beschreibung der Karsterscheinungen des Křtinské-Tals — des Höhlenlabyrinths und der Abgründe bei Výpustek, des Verschwindens des Bachs Křtinský potok und seiner Quellaustritte — stammt vom Prämonstratenser-Mönch Martin Alexander Vigsius, der sie in den Jahren 1661–1663 in einem Buch mit dem lateinischen Titel Vallis Baptismi (wörtlich „Tal der Taufe”, also Křtinské-Tal) veröffentlichte. Vigsius beschrieb die Landschaft so gründlich, dass er heute als der erste Geograf des gesamten Mährischen Karsts gilt.

Der Bach Křtinský potok, der durch das Tal fließt, entsteht aus dem Zusammenfluss eines Bachs aus dem Lučního-Tal und eines Bachs von der Gemeinde Bukovina. Knapp einen Kilometer unterhalb von Křtiny tritt er in das Kalksteingebiet ein, und sein Wasser verschwindet unter der Erde nahe der Höhle Výpustek — der restliche Talabschnitt ist deshalb bei niedrigem Wasserstand meist völlig trocken, und der Bach durchströmt ihn in voller Stärke nur nach ergiebigeren Regenfällen.

Auf beiden Seiten des Tals ziehen sich Dutzende Höhleneingänge entlang. Im Jahr 1900 wurden 19 davon verzeichnet, 1955 bereits 74 — und heute sind über 190 registriert. Die Zahl wächst weiter, da Amateur-Höhlenforscher die Erforschung bis heute fortsetzen.

Rudické propadání und Býčí skála: das zweitlängste System Tschechiens

Der bedeutendste Teil des Křtinské-Tals ist die Hochebene Rudická plošina, wo das Höhlensystem Rudické propadání – Býčí skála liegt — nach der Amatérská-Höhle das zweitlängste in ganz Tschechien. Rudické propadání selbst ist zugleich der mächtigste typische Ponor (Bachschwinde) des Landes, und der Obří dóm (Riesendom) im Inneren des Systems ist der größte unterirdische Dom im gesamten Mährischen Karst.

Der Hauptgang von Býčí skála ist 2.400 Meter lang bei einer Breite von 10 bis 12 Metern, das gesamte System einschließlich Rudické propadání und der Höhle Barová erreicht eine Länge von rund 13 Kilometern. Lange Zeit waren nur die vorderen rund 350 Meter zugänglich — weiter versperrte ein Tümpel namens Šenkův sifon den Weg, in dem das Wasser bis zur Decke reichte. Im Jahr 1912 versuchte G. Nouackh als Erster im gesamten Mährischen Karst, ihn tauchend zu überwinden, scheiterte jedoch. Bis an diese Stelle gelangten übrigens auch berühmte Besucher: 1804 besichtigten der österreichische Kaiser Franz II. und Marie Therese gemeinsam mit dem Fürsten von Liechtenstein die Höhle — zur Erinnerung an ihren Besuch sind bis heute Gedenktafeln in der Höhle eingemeißelt.

1.200 Jahre altes Eisen

Das Křtinské-Tal und seine Umgebung waren seit dem frühen Mittelalter eines der bedeutendsten Zentren für den Eisenabbau und die Eisenverarbeitung in Mähren. Zweifelsfreie Belege für die Eisenverhüttung reichen hier bis ins 8. Jahrhundert zurück — damals kamen laut Archäologen slawische Prospektoren hierher und stießen auf hochwertige Lagerstätten der sogenannten rudických Schichten, einer geologischen Einheit reich an limonitischem (brauneisenerzhaltigem) Eisenerz.

Der Umfang der Funde bei Olomučany und Habrůvka macht dies zu einem der größten Hüttenzentren im Gebiet der Westslawen — die Öfen und Werkstätten waren hier mit Unterbrechungen bis ins 11. Jahrhundert in Betrieb, in der Zeit des Aufstiegs des Großmährischen Reichs, als die Nachfrage nach Eisen für Waffen und den Bau von Burgwällen stark anstieg. Selbst der Name der Gemeinde Rudice und ihrer Ortsteile Žegrov und Žakan verweist direkt auf den Eisenabbau und die Eisenverhüttung. Der industrielle Abbau von Eisenerz in der Region endete erst 1893 endgültig, als die Eisenwerke von Blansko zu einem Maschinenbaubetrieb umgewandelt wurden.

Liechtensteiner vs. Salm: zwei Adelsgeschlechter, zwei Herangehensweisen

Der gesamte Mährische Karst gehörte einst zwei Adelsgeschlechtern. Den nördlichen Teil und ein Stück des mittleren Bereichs verwalteten die Salm, die aufrichtiges Interesse an der speläologischen Erforschung hatten und sich zusammen mit ihren Angestellten persönlich daran beteiligten. Das Křtinské- und das Josefovské-Tal sowie der südliche Teil der Region gehörten dagegen den Liechtensteinern, die einen völlig anderen Zugang zu den Höhlen hatten — sie wollten aus der gesamten Landschaft eine Art Kulturpark mit Bädern und Attraktionen machen, verbunden mit einer möglichst umfassenden wirtschaftlichen Nutzung des Gebiets.

Die Spuren ihres Wirkens sind in der Region bis heute sichtbar: Adamov trägt seinen Namen wahrscheinlich nach Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein, die Františčina huť (Franzenshütte) in Josefov ist nach Fürst Franz Josef I. benannt, und auch die Erschließung der Höhle Výpustek für die Öffentlichkeit geht auf ihr Wirken zurück.

Häufige Fragen

Ist das Křtinské-Tal dasselbe wie das Josefovské-Tal? Geografisch ja — es handelt sich um ein zusammenhängendes Tal des Bachs Křtinský potok, das nur historisch in zwei benannte Abschnitte unterteilt wurde: Josefovské von Adamov bis Josefov, Křtinské von Josefov bis Křtiny.

Wie viele Höhlen sind im Tal heute bekannt? Über 190 Höhleneingänge, wobei die Zahl mit der fortlaufenden Amateur-Höhlenforschung weiter wächst.

Ist Rudické propadání – Býčí skála für die Öffentlichkeit zugänglich? Nein, es handelt sich um ein frei nicht zugängliches Höhlensystem — der Öffentlichkeit öffnet sich nur Býčí skála, und das nur ausnahmsweise an Tagen der offenen Tür (siehe unseren Artikel über das Josefovské-Tal).

Warum wurde im Tal so viel Eisen abgebaut? Die geologische Einheit der sogenannten rudických Schichten verbarg hier reiche Lagerstätten von limonitischem Eisenerz, die bereits frühmittelalterlichen Hüttenarbeitern zugänglich waren — die Region wurde so zu einem der größten Hüttenzentren der alten Slawen.


Teil der Serie Eine Woche im Mährischen Karst: das komplette 7-Tage-Programm. Schließt an Josefovské-Tal und Býčí skála an. Quelle: Musil, R. u. a. — „Moravský kras: Průvodce Josefovským a Křtinským údolím”, Masaryk-Universität, 2019.

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